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Häufige Ferienlager-Krankheiten, was tun wenn?

Ganz wichtig bei allen Krankheiten oder Verletzungen, die sich Kinder im Ferienlager zuziehen ist, dass Gruppen- und Teamleiter NIE Medikamente verabreichen dürfen, ohne die Eltern oder einen Arzt vorher um Erlaubnis gefragt zu haben!

Sei es auch nur ein ganz gebräuchliches Mittelchen wie Aspirin oder Wundsalbe - NEIN!! - wir können das Einverständnis der Eltern nicht voraussetzen und mögliche Allergien nicht ausschließen. Wenn dann doch etwas passiert, eben weil das Kind das Medikament nicht verträgt, haben wir (sowohl Betreuer als auch Teamleiter) „den Strick um den Hals”. Haltet euch also strickt zurück, auch wenn es dem Kind Linderung verschaffen würde. Entweder zum Arzt gehen, oder Eltern anrufen, oder einfach lassen.

Verletzungen und Blessuren

Nasenbluten

Allgemein ist das Nasenbluten bei den meisten Kindern nach spätestens 10 bis 15 Minuten vorbei. Hat das Kind oft aus unerfindlichen Gründen oder sehr heftig Nasenbluten kann dies zum einen daran liegen, dass es empfindliche Nasenschleimhäute hat oder aber (in den seltensten Fällen) ein Bluter ist. Dies ist dann aber dem Kind oder zumindest den Eltern bekannt und sollte auf dem Betreuerzettel vermerkt sein.

Kommt es zum Nasenbluten, sollte der Kopf nach vorne gebeugt werden, so dass das Blut aus der Nase ablaufen und mit einem Taschentuch oder ähnlichem aufgefangen werden kann. Wichtig ist nur, dass man auf keinen Fall den Kopf in den Nacken legen darf, da sonst das Blut durch den Rachen und die Speiseröhre in den Magen gelangt. Man sollte die Kinder beruhigen und sie am besten setzen lassen, so dass der Blutkreislauf nicht noch mehr angeregt wird.

Ist das Kind in Reichweite eines Waschbeckens, sollte es sich davorsetzen und das Blut in das Becken tropfen lassen. Dann kann man auch einen kalten Waschlappen oder ein Taschentuch in den Nacken, auf die Stirn und auf die Nase legen. Natürlich eignen sich auch Kühlpads dafür.

Offene Wunden

Wird ein Kind verletzt und blutet, ist das oft eine Ausnahmesituation für Kind und Gruppenleiter. Zunächst sollte man sich selbst und das Kind beruhigen, denn klare Köpfe treffen richtige Entscheidungen. Je nach Schwere der Verletzung sollte man sich immer einen anderen, möglichst erfahrenen, Grupenleiter zu Hilfe holen (lassen). Ganz wichtig ist auch, andere Kinder von der Unfallstelle zu entfernen, um Unruhe zu vermeiden.

Kleine Blessuren und Schürfwunden behandelt man, indem man möglicherweise Schmutz entfernt und dann keimarm abdeckt. Dies kann mit einem einfachen Pflaster oder mit Mull-Kompressen geschehen.

Ist die Verletzung größer, sollte man sich nicht davor scheuen, einen Arzt zu rufen. Alles was über „kleine Blessuren” hinausgeht, wird nicht mit Wasser gereinigt. Sollte eine Wundreinigung notwendig sein, so ist hierfür ein Arzt aufzusuchen. Ganz wichtig: Steril abdecken, bis der Arzt eintrifft und das Kind nicht unbeaufsichtigt lassen, da es aufgrund von Schocks zu Bewusstlosigkeiten kommen kann.

Generell gilt auch hier: Medikamente wie Cremes oder Desinfektionen sind tabu.

Knochenbrüche

Knochenbrüche sind meist sehr unangenehm für alle Beteiligten, da dies meist eine erhebliche Beeinträchtigung für das Kind in den nächsten Wochen darstellt. Je nachdem, welche Knochen gebrochen sind, ist die Herangehensweise unterschiedlich.

Generell gilt hier wie überall, Kind beruhigen und Schaulustige entfernen.

Kann das Kind sich bewegen und auch laufen, sollte man die gebrochene Region ruhig stellen und das Kind aus dem Unfallbereich entfernen. Nach heutiger Ansicht soll man Brüche nicht mehr schienen, allerdings liegt das in der Verantwortung des Gruppenleiters. Falls ein Kind mit einer Stütze weniger Schmerzen hat, ist gegen eine Schiene nichts einzuwenden. Danach muss das Kind zum Arzt.

Kann das Kind sich nicht bewegen oder transportiert werden, ist sofort ein Notarzt zu rufen und das Kind ruhig zu stellen. Bis der Krankenwagen kommt ist das Kind nicht allein zu lassen, da es aufgrund des Schocks zu Bewusstlosigkeiten kommen kann.

Kopfverletzungen

Kopfverletzungen sind meist eine sehr blutige Angelegenheit. Deshalb ist die Schocksituation für den Gruppenleiter oft größer, als bei „normalen” Verletzungen.

Ist das Kind bewusstlos, muss zuerst dafür gesorgt werden, dass das Kind atmet. Im Extremfall muss sofort eine Atemspende geleistet werden. Alle weiteren Verletzungen sind hierbei zweitrangig.

Ist das nicht der Fall, sind Kinder mit Kopfverletzungen generell ruhig hinzulegen oder, falls das der Fall ist, einfach so liegenzulassen, wie sie gefallen sind. Das hat den Grund, dass meist die blutenden Wunden nicht das größte Problem sind, sondern die Wirbelsäule Schaden genommen haben kann. Das Kind muss also unter allen Umständen ruhig gestellt werden.

Anschließend ist die Wunde steril abzudecken und ein Notarzt zu rufen. Selbstverständlich darf das Kind nicht unbeaufsichtigt bleiben, wegen der Gefahr der Bewusstlosigkeit. Am Besten ist es, wenn mit verletzten Kindern normal gesprochen wird, über die letzten Tage oder zu Hause. Ablenkung zählt, auch um der Bewußtlosigkeit vorzubeugen.

Sonnenbrand

Am besten gar nicht erst dazu kommen lassen! Also alle Kinder (mit selbst mitgebrachten Sonnenschutzcremes) eincremen, nicht zu lange der prallen Sonne aussetzen und auch im Schwimmbad einen Platz im Schatten suchen. Falls es doch dazu kommt:

  • viel trinken
  • Quarkwickel (Quark in Haushaltstuch und auf Haut legen, bis er die Körpertemperatur hat (ca. 20 Minuten))
  • rohe Kartoffel- und Gurkenscheiben auflegen
  • Sonnenbestrahlung erstmal vermeiden.
  • Bei starken Verbrennungen zum Arzt

Sonnenstich

Er entsteht durch unmittelbare Einwirkungen von Sonnenstrahlen auf Kopf und Nacken. Aufgrund dessen kommt es zu einer Reizung der Hirnhaut. Diese kann durch kontrollierten Aufenthalt in der Sonne vermieden werden! Symptome:

  • Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Ohrensausen
  • hohes Fiber, Erbrechen, Bewusstlosigkeit

Das Kind sofort aus der Sonne bringen! Im Schatten die Kleidung öffnen, kalte Getränke geben. Bei Bewusstlosigleit Kind in stabile Seitenlage bringen und nichts zu trinken geben! Kopf in kalte Tücher wickeln und Füße hochlegen. Ärztliche Hilfe holen, es besteht Lebensgefahr.

Zeckenbiss

Zecken leben hauptsächlich im Unterholz von Wäldern, auf Wiesen und an Waldrändern. Sie fallen nicht von Bäumen, sondern springen Menschen an. Schützen kann man sich durch geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk.

Wenn ein Zeckenbiss vorliegt, dann sollte das Tier rasch mit einer speziellen Zeckenzange oder einer Zeckenkarte entfernt werden. Auf jeden Fall sollte man immer ein entsprechendes Utensil in einem Verbandskasten verfügbar haben.

Zum Entfernen gibt es verschiedene Techniken, bewährt ist das Greifen mit der Zeckenzange und mehrfaches Drehen der Zecke. Diese lässt dann von alleine los, die Gefahr den Kopf abzureißen ist dadurch gering. Zeckenzangen gibt es in der Apotheke, wo man sich auch beraten lassen kann, wie die Entfernung funktioniert. Man kann auch gewöhnliche Pinzetten verwenden, jedoch ist die Gefahr das Tier zu zerdrücken größer. Auf keinen Fall darf man die Zecke mit Öl oder Nagellack vorbehandeln, da das Tier erbricht und so Erreger in die Wunde geschwemmt werden.

Aber Vorsicht! Zecken sollten nur dann selbst entfernt werden, wenn man damit Erfahrung hat und die Zecke auch sicher vollständig entfernen kann. Ist das nicht der Fall, ist ein Arzt aufzusuchen. In jedem Fall ist ärztliche Betreuung erforderlich, wenn:

  • das Tier nicht ganz entfernt wurde
  • Hautirritationen größer werden
  • 1 - 4 Wochen nach dem Biss grippeähnliche Beschwerden auftreten.

Die Eltern sollten über einen Zeckenbiss in jedem Fall informiert werden, spätestens nach dem Ferienlager.

Wespenstiche

Wespen stechen gern in den unvorhersehbarsten Momenten und an Stellen, an denen die Haut so richtig weich ist und die ein bisschen versteckt liegen. Z.B. unter Röcken, zwischen den Beinen, unter den Armen, ganz besonders schlimm natürlich im Mund (was absolut vermieden werden sollte - durch entsprechende Belehrungen zum Essen im Freien und Warnungen)

Sofortmaßnahme: Kind beruhigen und eine halbe aufgeschnittene Zwiebel auf den Stich drücken und lange drauflassen. Ggf. noch mit der anderen Hälfte nachlegen. Das brennt ein wenig, ist aber die absolut beste Medizin, wenn es sofort, oder spätestens nach wenigen Minuten geschieht.

Danach kann man die Stichstelle ein wenig kühlen (das beruhigt zumeist das Kind).

Schwillt die Stelle unverhältnismäßig an (verhältnismäßig ist, je nach Hauttyp unterschiedlich, ein roter, leicht erhöhter Kreis mit einem Durchmesser von ca. 5-6 cm) sollte man einen Arzt konsultieren. Und zwar so schnell wie möglich, denn es könnte eine Allergie vorliegen. Diese kann wenige äußere Anzeichen haben, aber innerlich Reaktionen auslösen, die böse Folgen haben können. Von solchen Allergien hat sicher jeder schon gehört, auch dass sie bis zum Tod führen können. Aber keine Panik. Meist ist eine solche Allergie schon bekannt und das Kind weiß, was zu tun ist. Wenn nicht, sollte man jemanden fragen, der sich damit auskennt, d.h. den Notdienst anrufen und nach Maßnahmen fragen. Dann ist man auf der sicheren Seite!

Läuse

Erkennen eines Befalls: In der Regel halten sich Kopfläuse in der Nähe der Kopfhaut auf. Ein sicheres Befallszeichen sind die an den Kopfhaaren festgekitteten Läuseeier (Nissen). Nach ihnen ist bei einer Kontrolle systematisch zu suchen.

Befallserscheinungen: Juckreiz im Kopfbereich, entzündete Kratzwunden am Kopf, entzündliche oder eiternde Herde an den Rändern der Kopfbehaarung.

Gegenmaßnahmen:

  1. Das betroffene Kind ist bis zur Vorstellung bei einem Arzt möglichst getrennt von den übrigen Kindern zu betreuen.
  2. Befallene Betreuer dürfen keinen Kontakt zu den betreuten Kindern mehr haben und ihre Räume nicht mehr betreten.
  3. Sofortige Arztkonsultation. Wenn das ganze Lager davon befallen ist, ist eine Meldung beim zuständigen Gesundheitsamt unumgänglich. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Lager sofort abgebrochen werden muss, wenn drei Kinder Läuse haben!
  4. Sorgfältige Behandlung des Kopfhaares mit einem Läusemittel nach Anweisung des Arztes.
  5. Kontrolle des Kopfhaares aller Kontaktpersonen, bei Verdacht oder tatsächlichem Befall die Behandlung der Kontaktpersonen nach ärztlicher Anweisung einleiten.
  6. Gründliche Reinigung von allen Gegenständen oder Kleidungsstücken, die mit den Läusen in Verbindung gekommen sein könnten.
  7. Laufende Kopfhaarkontrolle der vom Läusebefall Betroffenen sowie der Kontaktpersonen.

Quelle: Rahmenhygieneplan für Kinderferienlager (gesehen am 17.03.2006)

Zahn ausgeschlagen

Lockere Zähne sollten nie herausgenommen werden! Eventuell kann man den Zahn mit den Nachbarzähnen fixieren z.B. durch ein Kaugummi. Einen Zahnarzt sollte man in jedem Fall aufsuchen und der abgebrochene Zahn mitgenommen werden.

Krankheiten

Durchfall

Man unterscheidet generell zwischen flüssigem Stuhl und Durchfall. Ersterer ist meist eine einmalige oder sehr kurzfristige Angelegenheit, wobei hingegen letzterer eher krankhaft und langanhaltend ist.

Normaler flüssiger Stuhl kann z.B. durch besondere Aufregung, besondere Darmtätigkeit (z.B. im Zusammenhang mit viel Bewegung) oder auch Lebensmittelunverträglichkeit auftreten. Es können aber auch Viren oder Bakterien, die man mit der Nahrung aufnimmt, die Ursache sein. Bei chronischem Durchfall sind meistens Erkrankungen des Darms ursächlich. Die Folge von Durchfall ist immer erhöhter Wasserverlust und auch Salzmangel.

„Richtiger” Durchfall muss vom Arzt behandelt werden. Man sollte aber erst die Lage abchecken und herausfinden, wie oft das Kind schon flüssigen Stuhl hatte, bevor man zum Arzt geht. Ist er erst einmal oder zweimal hintereinander vorgekommen, kann man als Sofortmaßnahmen erhöhte Flüssigkeitszufuhr einleiten. Man kann auch Äpfel reiben, denn die darin enthaltenen Quellstoffe binden verstärkt Wasser und sorgen so für einen festeren Stuhl. Ein altes Hausmittel ist auch Schokolade, die ähnliches bewirkt.

Manchmal sind auch Bauchschmerzen mit Durchfall verbunden. Krampflösende Schmerzmittel und auch Anti-Durchfalltabletten sollten aber nur im äußersten Notfall und nur nach Rücksprache mit den Eltern und am besten mit einem Arzt verabreicht werden (siehe oben).

Erbrechen

Erbrechen ist unbedenklich, wenn es einmalig geschieht. Das passiert nach Überanstrengung oder seltsamen Kombinationen in der Nahrungsaufnahme schonmal. Hier sollte das Kind beruhigt werden und, falls nötig, das Erbrochene vom Gruppenleiter gereinigt werden. Der Raum sollte gründlich gelüftet werden, denn auch Ekel kann bei anderen Kindern zu Erbrechen führen.

Manchmal ist Kindern auch schlecht, wenn sie sich aufregen oder wenn sie Heimweh haben. Auch das ist unbedenklich. Hier sollte man die Kinder ins Bett schicken und einen Eimer mit etwas Wasser davorstellen.

Bedenklich wird es erst, wenn mehrere Kinder in kurzer Zeit brechen. Die Kinder sind auf engem Raum zusammen, ansteckende Krankheiten verbreiten sich schnell. Da muss dann der Gruppenleiter durch und sich um alle brechenden Kinder kümmern. Üblicherweise ist eine Magenerkrankung nach 1 bis 2 Tagen durchgestanden.

Es ist jedoch auch möglich, dass Kinder aufgrund des Essens erbrechen. Das zeigt sich dann, wenn Kinder wiederholt und über einen längeren Zeitraum erbrechen.

Man sollte in jedem Fall die Herberge und den Träger informieren, gegebenenfalls wird die Herberge vom Gesundheitsamt überprüft. Solch einen Vorgang darf aber nicht der Gruppenleiter auslösen, soetwas obliegt dem Teamleiter in Absprache mit dem Träger. Bei einer solchen Überprüfung werden Nahrungsproben der letzten zwei Wochen kontrolliert und Stuhlproben von allen beteiligten (einschließlich Kinder und Gruppenleitern) genommen. Man sollte sich der Tragweite eines solchen Vorgangs bewusst sein, bevor man voreilig die Herberge verantwortlich macht. Sollte allerdings tatsächlich ein solcher Verdacht bestehen, ist dieses Vorgehen angebracht.

Weitere Informationen zum Verhalten bei Erbrechen finden sich im Kapitel 8. Was tun wenn.

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen haben unterschiedliche Ursachen und sollten bei Wiederauftreten nicht unterschätzt werden. Hat ein Kind Kopfschmerzen, sollte man es mit folgendem probieren:

  • Nacken- und Kopfmassage, allerdings nicht zu stark!
  • Eisbeutel oder Quarkwickel auflegen
  • Ruhe, Schatten, Schlaf
  • Medikamenteinnahme mit den Eltern absprechen. Eine (mit den Eltern abgestimmte) Schmerztablette hat gerade bei kleinen Kindern häufig eher einen Plazeboeffekt. Vielleicht sollte dieser Trick mit einem getarnten Brausepulverbonbon als erstes probiert werden. Dann sieht man schnell, ob sich das Kind nach wenigen Minuten von ganz allein wieder erholt.
  • viel Flüssigkeit geben
  • manchmal hilft auch eine Zuckerzufuhr (Schokoriegel, Dextroenergen...)
  • für sportlich Begabte bei leichten Schmerzen Handstand oder Kopfstand machen, damit mehr Blut in den Kopf fließt.

Neurodermitis

Neurodermitis ist eine Hauterkrankung. Viele Kinder sind in unterschiedlicher Stärke von ihr betroffen. Häufig „verwächst” sie sich in der Pubertät oder schwächt sich wesentlich ab.

Sie äußert sich durch enormen Juckreiz an einzelnen Hautstellen oder am ganzen Körper. Besonders Stellen mit weicher und empfindlicher Haut sind betroffen, aber auch diese, wo am häufigsten geschwitzt wird, d.h. Armbeugen und Kniekehlen. Die Haut ist an diesen Stellen geschuppt und trocken. Ist der Juckreiz sehr groß, werden die Stellen aufgekratzt und es entstehen blutende Wunden, die Haut vernarbt.

Befinden sich die betroffenen Stellen an gut sichtbaren Stellen, sind die Kinder häufig Hänseleien ausgesetzt. Durch das laufende Kratzen werden sie oft ausgegrenzt und leiden so zusätzlich. Deshalb ist ein einfühlsamer Umgang mit betroffenen Kindern notwendig.

Die Krankheit wird mit verschiedensten Cremes behandelt. Zum Teil sind es Fettcremes, zum Teil auch Cremes mit besonderen Wirkstoffen. Das hängt vom Grad der Erkrankung ab. Wichtig ist, dass diese mitgebrachten Cremes regelmäßig einmal oder auch mehrmals am Tag aufgetragen werden, besonders nach dem Duschen und Baden. Meist kann man die Cremes zusätzlich anwenden, wenn die Krankheit zwischenzeitlich besonders stark ist. Kinder „vergessen” das gern. Es ist aufwendig sich am ganzen Körper einzucremen. Dies ist peinlich, besonders wenn man sich noch eincremt, während die anderen schon wieder spielen. Gegebenenfalls muss der Gruppenleiter das Eincremen überwachen, oder, falls das Kind darum bittet, dabei helfen. Hierbei ist darauf zu achten, dass man sich „Zeugen” heranholt, falls man nackte Kinder berührt, um keine Vorwürfe bezüglich sexuellen Missbrauchs zu riskieren.

Fußpilz

Fußpilz kann in verschiedener Form auftreten. Eine davon sieht so aus: Anfangs bilden sich rote Stellen besonders an den Beugen zwischen den Zehen. Diese reißen dann auf und es entsteht eine Wunde, die ein bisschen an eine kleine Schnittwunde erinnert. Man erkennt sie am Jucken (kann auch nur leicht sein) und später am Brennen wenn sie mit leicht ätzenden Sachen in Verbindung kommen.

Häufig bekommt man Fußpilz nach dem Besuch von Frei- oder Hallenbädern. Es ist deshalb darauf zu achten, dass Kinder, die besonders anfällig für Fußpilz sind, Badeschuhe tragen. Es ist aber auch möglich, dass er entsteht, wenn die Kinder längere Zeit in nicht oder nur gering atmungsfähigen Schuhen geschwitzt haben. Dem vorzubeugen hilft, wenn die Kinder sich im Haus Hausschuhe anziehen und draußen (so es das Wetter erlaubt) lieber mit Sandalen oder leichten Turnschuhen herumlaufen, als mit festen Wanderschuhen.

Tritt Fußpilz auf, muss man einen Arzt konsultieren und geeignete Gegenmittel (in Pulver oder flüssiger Form) verschreiben lassen und ggf. mehrmals täglich anwenden. Häufig ist der Fußpilz dann in wenigen Tagen wieder weg.

In der Zwischenzeit sollte man darauf achten, dass Kinder nicht mit dem Fußpilzerkrankten die Badeschuhe oder (gebrauchten) Socken tauschen, um Ansteckung zu vermeiden.

Tollwut

Tollwutüberträger sind in unseren Breiten vorwiegend wildlebende Fleischfresser wie Füchse, Dachse, Marder, Marderhunde, Waschbären sowie Rehe, Hirsche, Wildschweine und bei den Haustieren Weidetiere (Rinder, kleine Widerkäuer, Pferde). Seit einigen Jahren wird in Europa aber auch Tollwut bei Fledermäusen beobachtet.

Normalerweise kommt man mit Tollwut im Ferienlager nicht in „Berührung”, dennoch ist mit ihr nicht zu spaßen. Die Kinder müssen vor einem Waldspaziergang zu Gefahren und Verhalten belehrt werden. Tollwütige Tiere erkennt man an einem sehr untypischen zutraulichem oder auch aggressivem Verhalten, d.h. wenn das Tier bei vor dem Menschen nicht zurückschreckt oder gar noch auf den Menschen zukommt. Ein sicheres Zeichen ist weißer Schaum vor dem Mund.

Entdeckt man im Wald ein solches Tier, sollte man sich langsam und unauffällig zurück ziehen. Man muss dann entweder warten, bis das Tier vorüber ist oder einen anderen Weg einschlagen. Man sollte auch sofort die Polizei oder den Förster benachrichtigen. Tollwütige Tiere müssen sobald wie möglich getötet werden, da sie sonst noch mehr Tiere anstecken könnten.

Tollwut ist relativ leicht auch auf Menschen übertragbar. Durch den Speichel der Tiere, der die Viren enthält, durch Beißen und auch Kratzen findet die Ansteckung statt. Hat die Übertragung erst einmal stattgefunden, ist eine wirksame Impfung nur innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne (Stunden) möglich. Findet diese nicht statt, verläuft die schreckliche Krankheit nachdem sie ausgebrochen ist (nach wenigen Wochen bis Jahren) oft sehr schnell und die Menschen oder Tiere sterben innerhalb weniger Tage oder Wochen. Hauptsächlich verursacht der Virus Gehirnhautentzündung, die dann die weiteren Symptome zur Folge hat (Lähmung, Aufgeregtheit, Verwirrtheit, Halluzinationen, Rachenlähmung).

Besteht also der Verdacht, dass ein Kind mit einem tollwütigen Tier oder mit dessen Speichel in Berührung gekommen ist, dann muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Man liest auch, dass das Ausspülen der Wunde (Kontaktstelle) hilfreich sein kann, um so viel infektiöses Material wie möglich zu entfernen. Damit verlangsamt oder verhindert man ggf. das Eindringen der Viren in den Körper.

Weiterführende Informationen: Wikipedia zu Tollwut

ADS - Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom

Das Problem von Kindern mit ADS ist, dass sie sich nicht lange auf eine Sache konzentrieren können. Sie lassen sich sehr leicht durch andere Dinge oder auch durch eigene Gedanken und Träumereien ablenken. Kommt zusätzlich Hyperaktivität hinzu, sind die Kinder total aufgedreht und bewegen sich ständig. Diese Form der Erkrankung heißt ADHS.

Kinder mit AD(H)S können sich nicht auf die Aufgabe/Tätigkeit konzentrieren, sind impulsiv, zeigen Stimmungsschwankungen, zappeln ständig hin und her und zeigen enormen Bewegungsdrang. Daraus resultieren oft große schulische Probleme. Sie werden dann entweder Clown oder Träumer. Die Kinder lernen im Laufe der Zeit mit ihrer Krankheit zu leben, meist schwächen sich die Symptome mit der Pubertät ab.

Eine medikamentöse Behandlung von AD(H)S ist möglich, wobei die verfügbaren Medikamente nur die Symptome reduzieren, nicht die Ursachen. Ein besonders typisches Medikament ist Ritalin, welches bestimmte Bereiche im Hirn, die für bestimmte Botenstoffe zuständig sind, stimuliert. Somit kommt es zu einer verbesserten Konzentration, denn ADSlern fehlt entweder ein Botenstoff, es gibt zu wenig oder zu viel davon. Und somit sind die Reize zu stark oder zu gering. Mit dem Medikament werden der Mangel oder der Überschuss etwas ausgeglichen.

Ein besonders einfühlsames Umgehen mit solchen Kindern ist Pflicht. Zuerst sollte man prüfen, ob das Kind behandelt wird und wieviel Medikament es einnimmt. Weiß man vom Betreuerzettel von der Krankheit (das sollte natürlich der Fall sein), fragt man die Eltern am besten, wenn sie ihr Kind bringen. Man sollte dann in Erfahrung bringen, wie sich die Krankheit äußert, wie das Kind damit umgeht und auf alle Fälle fragen, wie und wann das Medikament eingenommen wird, und wieviel davon.

Infoseite eines Elternvereins zu AD(H)S

Hyperaktivität

(Achtung: ist nicht dasselbe wie Hypermobilität = extreme Körperbeweglichkeit)

Man kann sagen die Kinder besitzen überschüssige Energie und können sich nicht lange auf eine Sache konzentrieren und werden zappelig. Hyperaktive Kinder können z.B. durch zusätzliche Bewegungsaufgaben (einmal ums Haus rennen...) wieder etwas beruhigt werden, allerdings garantiert das nicht, dass sich die Beruhigung tatsächlich einstellt.

Entwicklungsverzögerungen

Entwicklungsverzögerungen an sich sind keine schlimme Sache. Sie bedeuten, dass das Kind geistig und vor allem körperlich noch nicht auf dem selben Stand ist wie gleichaltrige Kinder. Wenn man davon weiß, kann man sich entsprechend einstellen und das Kind ggf. mit jüngeren Kindern eingruppieren. Man weiß dann auch, dass man von dem Kind eben nicht die selben Leistungen (besonders im Hinblick auf soziale Kompetenz und Wissen) erwarten kann, wie von Kindern gleichen Alters. Am besten beobachtet man das Kind eine Weile, um dann einzuschätzen, wie alt es sich ungefähr „benimmt”. Man sollte, wenn dies möglich ist, natürlich auch die Eltern dazu befragen.

Weiß man zu Beginn des Ferienlagers nicht von der Entwicklungsverzögerung, ist es ein wenig schwerer. Man sollte aber so viel Gespür und Feinsinn haben, die Verzögerung zu bemerken. Ein Indiz wäre, neben der Nicht-Erfüllung der Erwartungen, dass das Kind sich mehr mit jüngeren Kindern umgibt. Man kann dann Rücksprache mit den Eltern halten und sich entsprechend einstellen. Nur in den dringendsten Fällen, sollte man das Kind noch nach mehreren Tagen in eine andere Gruppe (mit jüngeren Kindern) verlegen. Dies wäre für das Kind wahrscheinlich sehr peinlich. Man kann aber dem Kind z.B. erlauben, in Pausen auch Zeit in der anderen Gruppe zu verbringen.

Essstörungen

Im Ferienlager passiert es leider häufig, dass einige Kinder nichts oder deutlich zu wenig essen wollen. In den seltensten Fällen liegt wirkliche eine Essstörung vor, meist ist es ein Mittel sich Aufmerksamkeit zu beschaffen. Trotzdem sollte der Gruppenleiter eingreifen, denn ein Kind ohne ausreichende Nahrungszufuhr ist nicht belastbar und steht unter Umständen das Programm nicht unbeschadet durch.

Man sollte mit den Kindern reden und sie darauf aufmerksam machen, dass die Heimreise droht, wenn sich die Nahrungsaufnahme nicht normalisiert. Sollte die Weigerung zur Nahrungsaufnahme anhalten, müssen die Eltern informiert werden und das Kind sollte das Lager verlassen. Wir als Gruppenleiter sind nicht qualifiziert, hier umfangreiche Diagnosen zu stellen oder gar die Krankheit „Essstörung” zu behandeln.

LRS - Lese-Rechtschreib-Schwäche

Die Legasthenie ist eine Teilleistungsstörung, die unterschiedlichste Ursachen haben kann. Ähnlich wie die weniger bekannte aber dennoch genauso häufige Rechenschwäche, auch Dyskalkulie, kann sie neurologisch-organisch, didaktisch und psyschisch-emotional begründet sein. Wahrnehmungsstörungen bilden sich aus diesen Grundursachen, die es dem Kind einfach nicht möglich machen, Dinge so wahrzunehmen, wie es sollte. Wenn Zahlen oder Buchstaben sich von ihrem Untergrund nicht abheben, zählt man dies als Wahrnehmungsstörungen. Wir im Ferienlager können dagagen nichts tun.

Für die Kinder hat diese Krankheit den Effekt, dass sie in der Schule schlecht sind und natürlich auch gehänselt werden. Oder sie entwickeln irgend einen anderen Abwehrmechanismus, wie Clown oder Rüpel sein. Abgesehen von solchen Verhaltensauffälligkeiten wird uns LRS im Ferienlager wenig beeinflussen. Die einzige Stelle, wo die Krankheit bei einem Kind auffallen könnte, wäre, wenn es eine Aufgabe lesen soll, z.B. bei einer Ralley. Wenn man merkt, dass das Kind damit Probleme hat, ist es besser, den Aufgabenzettel einfach geschickt an ein anderes Kind weiterzuleiten oder jedes Kind nur einen einzelnen Satz vorlesen zu lassen. Einfühlsames Verhalten dem Kind gegenüber ist wohl das einzige, was wir als Betreuer leisten können und sollten.

Allergien

Heuschnupfen

Es hilft in manchen Fällen nur die Flucht vor den Pollen. Mit Hilfe eines Pollenflugkalenders oder dem Pollenwarndienst lässt sich feststellen, wann bestimmte Pollen fliegen. Dieses Thema ist in jedem Fall mit den Eltern zu besprechen, um zu erfahren, wie man dem Kind in einer solchen Situation helfen kann. Ein paar allgemeine Tipps:

  • An sonnigen, windreichen Tagen Aufenthalt im Freien, besonders auf Wiesen und Feldern vermeiden
  • täglich Haare waschen
  • bei geschlossenem Fenster schlafen

Bei akuten Beschwerden einen Arzt aufsuchen!

Milchallergie

Diese Allergie ist für das Ferienlager unbedenklich, da man lediglich darauf achten muss, dass die Kinder keine milchhaltigen Speisen zu sich nehmen. In den meisten Fällen achten die Kinder auch selbst darauf.

Man sollte der Herberge Bescheid geben, damit eventuell neben Milchreis eine „Extrawurst” für das entsprechende Kind gebraten wird.

Wespenallergie

Damit ist nicht zu Spaßen. Wird ein Kind von einer Wespe gestochen, sollte der Gruppenleiter immer gleich fragen, ob dieses Kind schonmal von einer Wespe gestochen wurde und ob damals alles gut ging.

Leider denken Eltern nicht immer an solche Allergien beim Ausfüllen des Betreuerzettels, daher ist ein Nachfragen unbedingt erforderlich.

Sollte das Kind schonmal gestochen worden sein und alles verlief gut kann man sich ersteinmal entspannen und mit Kühlen und, falls verfügbar, mit Auflegen einer aufgeschnittenen Zwiebel beginnen. Wurde das Kind noch nie gestochen, dann muss das Kind zusätzlich für mindestens eine Stunde unter Beobachtung bleiben. In den meisten Fällen verläuft alles ohne Probleme.

Ist jedoch bekannt, dass das Kind übermäßig auf Wespenstiche reagiert, muss sofort ein Notruf abgesetzt werden. Im Extremfall kann innerhalb weniger Minuten ein Atemstillstand eintreten.

Tierhaarallergie

Diese Allergie kann sich von völlig unbedenklich bis Lebensbedrohlich auswirken. In schlimmen Fällen, wird das auf dem Betreuerzettel vermerkt sein. Bitte bei Anreise mit den Eltern darüber sprechen.

Kinder mit einer Tierhaarallergie müssen den Kontakt zu Tieren meiden, jedoch kann schon eine Katze in der Herberge eine allergische Reaktion hervorrufen, wenn sie nur über Tische und Bänke im Außengelände streunt.

Eine allergische Reaktion zeigt sich sehr schnell mit geschwollenen, roten und tränenden Augen. Falls sonst keine Reaktionen auftreten, sollte das betreffende Kind die Kleidung wechseln, sich Hände und Gesicht waschen und, falls nötig, sich gründlich die Augen unter fließendem Wasser ausspülen. Das reicht in den meisten Fällen aus, um die Reaktion zu mildern. Sollte sich dadurch keine Besserung ergeben, sollte das Kind einen Arzt aufsuchen.

 
leitfaden/5._krankheiten.txt · Zuletzt geändert: 10.02.2014 11:53 von stephan [Letzte Änderungen]
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